
Wenn sich Berater zu etwas äußern steckt oft das Ziel dahinter, einen Bedarf aufzuzeigen, um dann daraus abgeleitet Aufträge zu generieren. Insofern schaue ich z.B. auf die folgende Veröffentlichung (positiv) kritisch. Dennoch möchte ich auf die in der Zusammenfassung genannten Punkte eingehen.
MGI (2026): AI Economy (2026): AI Economy. Interconnected forces, feedback loops, and speeds of change. Discussion Paper. MGI, 10.09.2026.
MGL: AI’s advance will leave few of us unaffected.
Dass kaum jemand nicht von AI berührt ist oder sein wird, ist nicht gerade eine neue Erkenntnis. AI wird sich auch auf die Beraterbranche auswirken. Warum sollte ich teure Berater beauftragen, wenn ich einen Großteil der Themen von einem AI-Modell bearbeiten lassen kann?
MGI: Answering big questions about AI means seeing the whole picture, not just focusing on the technology.
Mein Kommentar: Das ist bemerkenswert, da es ja gerade die großen Beratungsgesellschaften waren, die die Technologie in den Mittelpunkt ihrer Tätigkeiten (Transformationen) gestellt haben. Jetzt dämmert es langsam, dass das nicht ausreicht. In manchen Bereichen ist es möglicherweise etwas zu spät, da dort schon ein technologischer Lock-in stattgefunden hat, aus denen Organisation nur mit viel Aufwand wieder herauskommen (Switching Costs).
MGI: Risks and bottlenecks arise because different parts of the AI system are moving at vastly different paces.
Mein Kommentar: Hier geht es um das KI-System, dessen Teile unterschiedliche Geschwindigkeiten haben. Das ist bei technologischen Entwicklungen nicht ungewöhnlich – der Hinweis darauf also eher banal.
In the AI era, leaders must therefore learn to manage at multiple speeds.
Mein Kommentar: Den Umgang mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten müssen also Führungskräfte heute lernen. Von wem, von McKinsey? Den Hinweis darauf, dass eine Systembetrachtung die Möglichkeit bietet, mit so komplexen Problemstellungen hilfreich ist, kann ich nur zustimmen. Wenn man alle Akteure eines gesellschaftlichen Systems betrachtet, ist AI allerdings nur eine Komponente und nicht die Dominierende. Kern eines gesellschaftlichen Systems sind die Menschen, die sich in Europa beispielsweise zu bestimmten Werten verpflichtet haben. Diese sind dann auch bindend für AI-Modelle – nicht umgekehrt.
Die Veröffentlichungen von Beratern sind oftmals gut aufbereitet und werden von Business-Leuten gelesen. Auch der Name McKinsey Global Institute gibt McKinsey’s publications and research give a „quasi-academic“ image (vgl. Wikipedia). Quasi akademisch ist eben nicht wirklich akademisch, also wissenschaftlich.
Doch: Wer liest schon wissenschaftliche Veröffentlichungen? Ich, und es ist spannender als viele denken! Siehe dazu auch meine beiden Paper zur MCP-CE 2026:
Freund, R., Anisic, Z. (2026): Digital Sovereignty and Open-Source AI: The European Way for Innovative SMEs – Abstract
Freund, R. (2026): Open-Source AI for Open User Innovation: Designing a Personal Fabrication Framework – Abstract










